Erfahrungsbericht November 2016

Einige Monate sind nun vergangen, seit ich den letzten Newsletter geschrieben habe. Nicht weil ich nichts zu erzählen wusste, sondern weil es mir schwer fiel zu erzählen. Jedes Mal wenn ich wieder an einem unserer Projektorte ankomme, werde ich an Thomas erinnert. Was zum einen schön und zum anderen immer wieder von neuem schmerzhaft ist. Er wird vermisst, egal wo ich hingehe…

 

Ich lasse meine Gedanken nun die letzten zwei Monate zurückreisen. Ich erinnere mich gerne an den Abend des Events von Hope is life “Kurzvortrag und Apéro” im Salzhaus am 22. September. Es war ein sehr emotionaler Abend. Zum einen war auch hier die Absenz von Thomas stark zu spüren und zum andern war ich sehr berührt und enorm dankbar über die grosse Unterstützung von so vielen Menschen. Alle, die den Event organisiert und am Abend selbst angepackt haben, machten dies spürbar, mit viel Herzblut und Freude. Dann, all die Besucher die sich interessiert den Kurzvortrag angeschaut haben und Hope is life mit guten Wünschen und Spenden sowie Hoffnung und Zuversicht beschenkt haben. Bei Euch allen, möchte ich mich nochmals von Herzen bedanken, für Euer Vertrauen, Eure Unterstützung und Wertschätzung.

 

Kurz nach dem Event ging meine Reise nach Orissa, Indien, zu den Projekten vor Ort. Das erste Zusammentreffen an jedem Projektort ist mit viel Trauer verbunden, wie ich schon erwähnt habe, Thomas wird überall vermisst...

Nach dem ersten, intensiven Austausch über Thomas, entschieden wir uns voranzuschreiten und uns unseren Projekten zu widmen. Viel Arbeit lag vor uns, was nun einige Seiten ausfüllen würde, wenn ich alles im Einzelnen beschreiben würde. Somit wähle ich das eindrücklichste Erlebnis dieser Zeit.

 

Letztes Jahr habe ich die zwei in Berhampur lebenden Ärztinnen, Mary und Cat aus England, kennen gelernt. Die Beiden wohnen und arbeiten hier mit geistig und körperlich behinderten Kindern. Mary und Cat haben im Vorfeld für die Zeit meiner Anwesenheit in Berhampur eine Therapie Woche geplant. An dieser Woche nahmen 18 Kinder mit ihren Familien teil, 7 davon durften wir aus unseren verschiedenen Projekten dazu bringen. Zum einen aus unseren Projektdörfern und zum andern aus dem Spital-Projekt “Mission for a smile”, in welchem wir immer wieder schwerkranke Kinder antreffen, die von Mary und Cat behandelt werden können. 

Um alle Kinder für die Therapie-Woche nach Berhampur zu bringen, hatten wir eine beschwerliche Reise vor uns, von über 14 Stunden Fahrt im Auto. Auch wenn die Reise nicht nur angenehm war, wurde ich immer wieder durch schöne Augenblicke darauf hingewiesen, warum wir diese Reise unternehmen. Als ich zum Beispiel die kleine Gayatri erblickte, wie sie mit ihrem Vater zu unserem Auto marschierte, ein strahlendes Lachen auf dem Gesicht, voller Vorfreude und Neugier. Noch nie hab ich das Mädchen so gesehen. Gayatri’s Familie lebt in einem kleinen abgelegenen Dorf, in welchem die Menschen über das Down Syndrom nicht aufgeklärt sind. Menschen mit einem Down Syndrom werden oft ausgelacht, geschlagen und ausgegrenzt. Die Familie schämt sich und es wird ihnen oft nachgesagt, dass sie etwas Schlimmes getan haben müssen, ein solches Kind zu bekommen. So auch Gayatri… Ihr Leben schien für mich auf der Schattenseite und wenn ich sie angetroffen habe, war sie sehr schüchtern und zurückgezogen… jedoch nicht am Tag der Therapie-Woche. Stolz und glücklich trug sie ihre Tasche mit Kleidern zum Auto, welches sie mit ihrem Vater in die Stadt bringen wird.

Die meisten der Kinder und Eltern die wir zur Therapie-Woche mitnahmen, waren noch nie so weit gereist, einige gingen noch nie ausserhalb ihres Heimatdorfes. Alles war neu, aufregend, aber auch beängstigend für die Familien. Als wir dann spät am Abend die Organisation von Cat und Mary “Love the one” erreichten, wurden wir herzlich empfangen. Ich blieb mit den Familien so lange vor Ort bis ich sicher war, dass sie alles haben und sich am neuen Ort zurecht finden.

“Love the one” hat unseren Familien die gesamte Woche, inklusive Therapie, Aufklärungs-Workshops, Medikamente, Essen und Unterkunft gratis zur Verfügung gestellt.

Es war unbeschreiblich, all unsere Kids so glücklich zu sehen.

Der kleine Balbu wollte erst gleich wieder nach Hause, weil er normalerweise sehr schüchtern und zurückgezogen ist. Mit Tränen in den Augen, berichtete sein Vater, dass sein Sohn nun bleiben möchte, da er hier glücklich ist. Ebenso war ich berührt zu sehen, wie der Kleine mit den anderen Kindern spielte, Lieder sang und Musik machte. Es war unbeschreiblich schön, all die strahlenden Kinder und deren Eltern zu betrachten.

Die Kinder selbst lernten andere Kinder kennen, deren Alltag eine grössere Herausforderung darstellt, als für andere Kinder. Die Eltern lernten in dieser Woche den Wert ihrer Kinder zu erkennen, auch wenn der Alltag enorm schwierig erscheint. Sie lernten Tricks und Tipps wie mit der Behinderung ihres Kindes umzugehen, um das Leben ihrer Kinder und ihr Leben zu vereinfachen. Ebenso wurden die Eltern über die Erkrankung und die möglichen Therapien aufgeklärt. Viele der Eltern wussten die genaue Diagnose ihres Kindes nicht. Denn niemand war bis anhin interessiert ihnen zu erklären, warum ihr Kind Schwierigkeiten im Alltag hat. Durch dieses neue Wissen wirkten viele Eltern entspannter und zuversichtlicher. Mary und Cat versicherten allen eine langfristige Begleitung ihrer Organisation und dies auf kostenloser Basis.

 

Dann ging meine Reise auch schon wieder weiter nach Nepal. Im Gepäck dabei (-: oder besser gesagt im Flugzeug neben mir sitzend, waren Rahel und Lukas Klöti. Beide begleiteten mich auf dieser Reise, um das “Thomas Kids Care” zu besuchen und unser Vorhaben des Medical Camp zu unterstützen. Einen ganzen Tag sollten zwischen 50 und 60 Kinder untersucht und behandelt werden. Dafür hat Samjhana, die Gründerin von Hope is life Nepal, zum naheliegenden - für diese Region professionellen - Spital einen zuverlässigen Kontakt aufgebaut.

Im Kids Care wurden alle Vorbereitungen für den grossen Tag getroffen. Alles musste organisiert sein, um allen Beteiligten die Arbeit zu erleichtern, um so, speditiv wie möglich wirken zu können.

Vor unserem “Thomas Kids Care” scharten sich die Kinder mit ihren Eltern. Zum einen neugierig und zum anderen etwas ängstlich beäugten sie uns bei den Vorbereitungen. Mitarbeiter unseres Teams zogen los, um noch weitere Kinder aus deren Häusern ins Kids Care zu bringen. Als das Behandlungsteam eintraf waren wir bereit und sogleich konnten wir mit den Untersuchungen starten. Rahel konnte als gelernte Krankenschwester das Team sinnvoll unterstützen und Lukas wurde als Spielgefährte, um die Wartezeit zu überbrücken, heiss begehrt.

Alle haben grossartige Arbeit geleistet! Unser Hope is life Team hatte alle Hände voll zu tun mit registrieren aller Kinder, Kinder von ihrem Zuhause zum Kids Care zu bringen und die wartenden Kinder, entweder in die Warteschlange einzureihen oder mit Spiel und Spass das Warten zu erleichtern. Das Behandlungsteam machte einen hervorragenden Job. Sie arbeiteten professionell und begegneten den Kindern mit viel Einfühlungsvermögen, Verständnis und Empathie. Zu unserer Freude brachte das Team Medikamente mit, die sie gratis den kranken Kindern verabreichten. Nur wenn wir ein Spezialmedikament benötigten, wurde dies über Hope is life finanziert. Einen Jungen brachten wir noch am selben Tag ins Krankenhaus, um weitere Untersuchungen durchzuführen. Sein kleiner Finger schien gebrochen zu sein und bis anhin hat dies niemand weiter interessiert. Im Spital wurde der Finger geröntgt und da hat sich herausgestellt, dass der Finger eine schwere Prellung abgekriegt hat, also nicht weiter schlimmes. Viele Kinder litten unter Erkältung und Magenbeschwerden, dies oft darum, weil sie zu wenig auf die Hygiene achteten und von den Eltern nicht genügend betreut werden. Nach diesem Tag waren alle müde und gleichzeitig glücklich über den gelungenen Tag. 

 

In den weiteren Tagen im “Thomas Kids Care” konnte ich mich den Kindern und dem Team widmen. Viele Kinder haben sich verändert. Sie wirken offener, zugänglicher und Lebensfreude ist in den Gesichtern wahrzunehmen. Diese Entwicklung erfüllte mein Herz ebenso, wie die Möglichkeit, erneut Zeit mit den Kindern zu verbringen.

Mit unserem Team haben wir gleich mit der Aufarbeitung von Schwierigkeiten im Kids Care begonnen. Anhand von Teamsitzungen und Mitarbeiter Gesprächen konnten wir uns gleich neuen Strategien widmen, wie wir unser Kids Care professionalisieren, den Kindern noch mehr Spiel, Spass, Geborgenheit, Vertrauen und Liebe zu vermitteln und den Mitarbeitern eine Arbeit zu ermöglichen, welche sie mit Freude und Herzblut ausüben können.

In den Gesprächen mit dem Team erhielten Samjhana und ich ein unglaublich schönes Feedback, oder anders ausgedrückt, eine unerwartete Überraschung. Zwei unserer Mitarbeiterinnen haben sich entschieden ihren College-Abschluss nachzuholen. Sie haben bereits damit begonnen und gehen jeweils morgens, wenn das Kids Care noch geschlossen ist, zur Schule. Die Motivation dafür erhielten sie durch ihre Arbeit im Kids Care. Sie möchten den Kindern mehr beibringen, wünschen sich, sie kompetenter bei den Hausaufgaben unterstützen zu können und ihnen ein Vorbild zu sein.

 

Ebenso sagten die Mitarbeiterinnen, dass sie auch zur Schule gehen, um die Möglichkeit zu erhöhen, dass sie ihr Leben lang für das Kids Care arbeiten dürfen, da sie diese Arbeit glücklich macht und bereichert.

 

Lieben Gruss an die frostige Schweiz aus dem kalten Nepal (-:

Andrea

 

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