Erfahrungsbericht Februar 2015


Wieder in Indien, reisen meine Gedanken erst zurück in die Schweiz. Es ist viel passiert während den 3,5 Monaten in meiner schweizer Heimat. Von vielen Dingen habe ich mich getrennt und dadurch vieles dazugewonnen. Mein Hab und Gut passt nun in einige Schachteln. In mein Haus ist meine Schwester gezogen, die mit ihren 3 Kindern wieder etwas Leben in die Bude bringt. Hope is life ist stetig am Wachsen und immer mehr Menschen interessieren sich für das Schicksal der Menschen in Orissa…

 

...Wenn ich in der Schweiz von den Projekten in Indien erzählen darf und echtes Interesse spüre, kommt jedes Mal eine Freude, Leidenschaft und Hoffnung in mir auf. Diese Erinnerungen packte ich in meinen meist schon mit Schokolade überfüllten Koffer und reiste los ins Land der Gegensätze, welches immer wieder mit neuen Überraschungen und Herausforderungen auf mich wartet.

Nun sind meine Erinnerungen bei den vergangenen sechs Wochen. Es war eine sehr konstruktive Zeit. Thomas verbrachte über zwei Wochen in Indien, für allgemeine Unterstützung, Strategieplanung und Zieldefinierung der Projekte. Erst konnten Thomas und ich wichtige Termine in Dehli wahrnehmen. Wir haben uns mit dem Wirtschaftsprüfer getroffen, der für Hope is life India zuständig ist und konnten alle Fragen und Unsicherheiten klären, um weiter an unseren Projekten arbeiten zu können. Mein ganz persönliches Highlight war der Besuch bei Karin Wenger, Korrespondentin des Schweizer-Radios DRS. Die sympathische Schweizerin lebt seit 4 Jahren in Delhi. Durch einen gemeinsamen Freund hat sie über die Projekte von Hope is life erfahren und uns zu sich in ihre Wohnung in Delhi eingeladen, für ein Kennenlernen und Austausch. Beeindruckt von ihrer Arbeit und inspiriert von ihren Erfahrungen verliessen wir ihr gemütliches Zuhause erst nach ein paar Stunden wieder.

Nach erfolgreichen Tagen in Delhi, ging unsere Reise weiter nach Berhampur, meinem indischen Zuhause, in welchem wir schon sehnsüchtig erwartet wurden. Durch die liebevolle und herzliche Art der Menschen um uns herum, kommt bei mir immer wieder sehr schnell das Gefühl von Heimat auf. Nach einer kurzen Erholungspause, reisten Thomas und ich ins Gebiet der Dörfer des Frauenprojekts von SFDC und Hope is life. Wichtig war mir, dass Thomas die Frauen, die im Projekt arbeiten, kennen lernt und die Motivation und Freude miterlebt, die sie ausstrahlen, wenn sie über ihre Arbeit erzählen. Das Treffen war eine Bereicherung für uns alle.

Thomas durfte auch Silu kennenlernen, den Jungen, dem Hope is life einen Augenarztbesuch mit Brille finanzierte. Silu trug stolz seine Brille auf der Nase und zu meiner Überraschung ging der Vater vor ein paar Tagen selbständig mit seinem Sohn zur Nachkontrolle in die Stadt. Dies freut mich riesig, denn es ist uns enorm wichtig, dass sich die Menschen hier nicht einfach von Hope is life führen lassen, sondern es soll ein Miteinander sein. Die Abhängigkeit von Hope is life ist sicherlich Anfangs grösser. Jedoch streben wir in all unseren Projekten eine grösst mögliche Unabhängigkeit an und eine Zusammenarbeit die auf gleicher Augenhöhe basiert.

Wieder zurück in Berhampur, widmeten wir unsere Zeit der Strategie-Planung und Zieldefinierung unserer Projekte.

- Frauenprojekt: Neue Konzepterstellung nach Evaluierung und Start in Kooperation mit Hope is life India in neuen Gebieten im Bezirk Rayagada. Arbeit mit SFDC in den vorherigen Dörfern wird im selben Rahmen fortgeführt.

- Patenschaftsprojekt: Die ersten 2 Patenschaften sind erfolgreich gestartet, nun sind wir an weitern interessiert, treffen mögliche Kinder und deren Angehörige, klären Situationen, erstellen Budgets…

- Schule: unser nächstes Ziel für den Aufbau einer Schule ist, die Situation in den neuen Dörfern, in denen wir das Frauenprojekt starten zu überprüfen. Bei unserem ersten Besuch konnten wir das Bedürfnis einer qualitativen Bildungsstruktur für die Kinder klar erkennen. Die Dorfbewohner arbeiten schon in Eigeninitiative an Lösungen, was uns motiviert genauer hinzuschauen.

Unterrichten von Gewaltfreier Kommunikation in Schulen: Im College Karuna Shanti von SFDC, werden nun einige Lehrer ausgebildet, dass sie die Gewaltfreie Kommunikation weitergeben können. Somit werde ich selbst noch für punktuelle Workshops mit Schülern und Lehrern eingesetzt. Weitere Workshops in Schulen in Orissa sind geplant.

Mit den Schülern, die ca 1,5 Jahre nun in Gewaltfreier Kommunikation unterrichtet wurden, haben wir eine Gruppe gegründet: die kleine Giraffengruppe in Orissa. Die Schüler haben bereits das College verlassen und sind in ganz Orissa verstreut. Einige haben das klare Interesse, das Wissen der Gewaltfreien Kommunikation weiter zu tragen. Wir werden sie darin fördern und sie bei der Umsetzung unterstützen.

Oh, ich vermisse die Studenten dieser Klasse ganz schön…die haben mir manches Augenwasser beschert. So oft wurde ich von ihrer Motivation und echtem Interesse, etwas an ihrem gewaltvollen Umfeld zu ändern, berührt. Ich bin so stolz auf sie alle und überglücklich, dass einige bereit sind, ihr Wissen zu nutzen und weiter zu tragen.

Nun wollte ich eigentlich noch viel mehr erzählen…sehe jedoch, dass ich schon fast wieder bei zwei Seiten angelangt bin. Ich möchte jedoch noch etwas teilen, das mich in diesen Wochen sehr berührt hat.

Als Thomas und ich hier angekommen sind, haben wir den 8 jährigen Tika kennengelernt. Er ist Param’s Neffe. Tika hat eine Muskelerkrankung, auch Muskelschwund genannt. Die Krankheit ist bei ihm schon so weit fortgeschritten, dass seine Beinmuskeln den kleinen Körper schon nicht mehr tragen können. Er wirkte auf mich anfangs sehr traurig und hilflos. Nicht nur sein Blick beschäftigte mich, sondern auch die Traurigkeit und Hilflosigkeit seiner Mutter. Von Anfang an war uns klar, wir müssen etwas tun, um den kleinen Tika und seine Mutter etwas zu unterstützen. Wir durften ihm und seiner Familie in seinem Haus einen Besuch abstatten. Beide waren wir tief bewegt wie Tikas Leben in dieser Hütte aussieht und uns war sofort klar, dass sich so sein Zustand nicht verbessern konnte. Er kann sich da nicht selbständig fortbewegen, hat keine Beschäftigung im Alltag und keine Möglichkeit auf ausreichende Behandlung gegen seine Schmerzen und die immer zunehmenden Kontrakturen seiner Beine und Arme. Nach diesem Besuch begann ich mich intensiv mit seiner Erkrankung auseinander zu setzen. Mit einer Mutter aus der Schweiz, die einen Jungen mit derselben Erkrankung hat, habe ich mittlerweile einen sehr schönen Austausch. Freunde und Bekannte die sich fachspezifisch im Gebiet dieser Erkrankung auskennen, gaben und geben mir weiterhin Informationen und hilfreiche Ratschläge um Tika zu unterstützen. Die Anteilnahme berührt mich und gibt mir neuen Mut dranzubleiben. Ich möchte mich dafür bei allen bedanken, die sich die Zeit genommen haben und nehmen, um den kleinen Mann zu unterstützen…lieben Dank!

Die Tatsache, dass Tika‘s Erkrankung früher oder später zu seinem Tod führen wird, hat mich erschüttert und gleichzeitig motiviert, so viel wie nur möglich zu unternehmen, um ihm sein Leben zu erleichtern. Der sensible Junge schien mir anfangs in einer verschlossenen Welt zu sein, die er nun des Öfteren verlässt, um mich vermehrt an seinem Leben teilhaben zu lassen. In kleinen Schritten darf ich mich ihm nähern und erfahren, was er wirklich möchte und braucht. Vor 1,5 Wochen ging ich mit ihm zum ersten Mal in die Physiotherapie. Er war zwar sehr tapfer, jedoch müssen seine Schmerzen enorm gewesen sein. Beim Arzt hat er nun eine sinnvolle medikamentöse Behandlung gekriegt, die nun auch seine Schmerzen etwas lindert. Zu meiner Freude haben sich Anuma und Param, die das Hope is life India-Team bilden, entschieden, den Jungen bei sich aufzunehmen. Durch diese Veränderung, haben wir die Möglichkeit den Jungen weiterhin sinnvoll zu unterstützen. Da dies gleichzeitig auch mein Zuhause ist, werde ich sie unterstützen Tika zu pflegen und mein Bestmögliches daran geben, zusammen mit allen Beteiligten Schmerzlinderung, sowie mehr Leichtigkeit und Freude in Tika‘s Leben zu bringen. Ich hoffe von ganzem Herzen, dass es uns gelingen wird.

Nun beende ich mein Schreiben und hoffe, Euch beim nächsten Bericht weitere Neuigkeiten über den kleinen Tika geben zu dürfen und schicke Euch bis dahin warme und sonnige Grüsse aus dem Land der Gegensätze

 

Andrea

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